Am 27. August ging mein Flieger ab München in Richtung Dubai. Die Fluglinie Emirates bietet einen netten Service, das Personal ist zuvorkommend, der Airbus war annehmbar ausgestattet, und auch in der Economy Class hatte ich angenehme Beinfreiheit. Zusätzlich wurde man alle Stunde per Videoschirm informiert, in welcher Richtung relativ zur Flugrichtung sich gerade die Kaaba in Mekka befindet. Das Essen war excellent und reichlich.
Nocheinmal mit Emirates zu fliegen kann ich empfehlen, aber freiwillig über Dubai zu fliegen liegt mir jetzt sehr fern. Zumindest wenn wieder soviele Araber (oder eben Leute die so wirken) mit an Bord sind. Immerhin habe ich jetzt gelernt, wie man dem Vordermann auf arabisch vermittelt daß man nicht besonders erfreut darüber ist, wie weit dieser seine Sitzlehne nach hinten klappt: Man rüttelt so lange und so kräftig man kann an dessen Lehne, bis dieser „freiwillig“ aufgibt.
Die Hölle war die Klimaanlage, die auf vollen Touren gebullert hat, und (in meiner Gegend) auch nicht weiter abzudrehen war. Ich hab richtig gefroren mit meiner dicken Jacke und der Decke, die fast schon sichtbaren penetranten Parfumwolken die in regelmässigen Abständen die Nasenscheidewand anfressen konnte sie aber nicht neutralisieren. Da waren die beiden Großfamilien um mich rum und deren lautstarke Konversation über mehrere Sitzreihen hinweg nicht mehr mein grösstes Problem. Als Unterhaltung gab es spielende „kleine Prinzen“: man watscht sich gegenseitig bis der erste weint, der hat dann verloren.
In Dubai gelandet traf mich fast der Schlag: nach der Klimakatastrophe im Flieger hatte ich nun vor der Tür um 23:30 „nur“ 33 Grad Celsius zu ertragen. Doch die Hölle ist immer noch schlimmer. Als mich meinen steifgefrorenen Nacken nach links gewandt habe, sah ich gerade noch wie ein anderer Jet wendete, bevor mich die heissen Abgase beinahe ins Koma bliesen. Fünfzig Meter bis zum rettenden (klimatisierten) Bus können außerst lang sein, wenn man sich kurz vor einer Ohnmacht befindet.
Beim Aussteigen habe ich bemerkt, daß der komplette Boden der Maschine – Economy Class ganz hinten, Aussteigen vorne – mit Müll bedeckt war. Das ungewöhnlich dabei: ich habe nicht den blassesten Schimmer, woher die das ganze Zeug überhaupt hatten, was da alles verstreut dem Räumkommando hinterlassen wurde. Mein erster Gedanke war „… ja mei, is halt Economy Class“, aber auch in Business und First Class sah es nicht um ein Quentchen besser aus, im Gegenteil. Je mehr Platz, desto mehr verdreckter Boden war zu sehen. (*UPDATE* 2008-09-08: Habe hier Leute kennengelernt die auch über Dubai flogen, die haben dieselbe Müll-Erfahrung gemacht! Aber auch Vielflieger nur bei Dubai-Flügen)
Deutlich positiv überrascht war ich von der schieren Größe des Flughafens, und dem dortigen Betrieb um diese Uhrzeit. Frankfurt und München zusammen haben zur Rushhour nichts vergleichbares. Es war jedoch alles recht gut beschildert, das Personal durchweg freundlich trotz des riesen Andrangs und der Uhrzeit. Mein Weiterflug 2 Stunden später ging pünktlich ab.
Schon beim Boarding gings dann deutlich ruhiger zu als zuvor, und es waren hauptsächlich Asiaten an Bord. Das war eine willkommene Erholung, wenn ich mich an die Lautstarken Mitflieger zuvor erinnere. Noch bevor die Türen geschlossen waren, zog sich der Gast rechts neben mit seine Schuhe und Socken aus, um in bequeme Schlafsocken zu schlüpfen. Ich teilte mir die Viererreihe in der Mitte der Boing 777-300 mit ihm, ich ganz links aussen, er rechtsaussen. Die nicht benutzten mittleren Sitze dienten uns dann als erweiterter Schlafraum, was wir wohl beide bald durch lautes Schnarchen und ausgestreckt vermittelt haben. *g*
„So lässt sichs Fliegen“ dacht ich mir und genoß. Für ungefähr eine Stunde war es wirklich schön. Dann begannen die Turbulenzen, die uns bis kurz vor Incheon (Korea) begleiteten, und mich weder schlafen noch fernsehen ließen. Das Lunch hab ich dann mal lieber ausfallen lassen. Als die Stuardess mich nach „Chicken or fish…?“ fragte, wollte ich am liebsten noch was ganz anderes ausfallen lassen.
Um 16:45 landete pünktlich mein Flieger, und Karin und ich haben uns auch sogleich getroffen (sie war 8h zuvor angekommen, da über Helsinki, und in München früher abgeflogen). Nach ein bißchen suchen und überreden hatten wir dann auch ne Mitfahrgelegenheit nach Seoul zu meiner Unterkunft.
Die Fahrt dahin ließ uns die Rushhour in einem der grössten Ballungsgebiete der Welt erleben, wodurch es erstmal ein wenig dauerte, und ich mir mit Blick auf einen schönen Sonnenuntergang erstmal eine Mütze Schlaf genehmigte… Wie schön…



